Socken - Tyte Stone Buaba us Khur

Socken - Socken

Bisher unerwähnt geblieben ist, dass wir uns eigentlich auf der Bühne immer verkleidet haben und uns gegenseitig die Hosen runtergezogen haben, wenn man sich schlecht wehren konnte. Spiel du mal Gitarre und halte gleichzeitig die Hosen oben, wenn einer daran zerrt! Für mich waren dies immer peinliche und furchtbare Momente. Gefühle, die ich nur mit dem konzentrierten Ausüben von Feng Shui Übungen mildern konnte. Oft bin ich dann nachts schweissgebadet aufgewacht. Typischerweise hatten wir auf der Bühne allerlei Hüte, Taucherbrillen und was weiss ich an. Besonders beliebt war es, wenn einem Gila-Baby beim Singen die Rosche Staub Mütze über die Nuss zog.

Das wollten wir nun noch etwas verfeinern und ergänzen, da es nach unserem Dafürhalten halt immer noch nichts so Spezielles war. Am Tag, nachdem wir aus Südfrankreich zurückkamen, hatten wir einen Auftritt am Openair in Chapella im Engadin. Hier wollten wir mal Nägel mit Köpfen machen. Also zogen wir uns in der Mitte unseres Auftrittes um und kamen, nur mit einer Socke über dem Riemen, zurück auf die Bühne und spielten unser Set zu Ende. Mann, haben die geschaut! Dazu servierten wir ihnen wie in Südfrankreich ein paar Müsterchen mit Ad-hoc-Texten wie beispielsweise einen Blues mit dem Thema „Morgenlatte" und eine Vorläuferversion des „Tyte Stone Rock n Roll". Das alleine gereichte aber noch nicht zum Skandal, denn wir hatten vergessen zu fragen, in welchem Hotel wir schlafen würden. Davida, Gila-Baby, T-Bone, der als Gast mitgekommen war, und ich suchten also in dem Kaff alle Hotels auf und nahmen das erst beste, dessen Türe morgens um vier unverschlossen war. Dass wir alle einen sitzen hatten, muss ich ja wohl nicht erklären. Dann schauten wir in den diversen Zimmern nach, ob noch etwas frei wäre und lernten dabei viele neue Leute kennen. Unsere Freude am Kennen Lernen stiess aber nicht überall auf dieselbe Sympathie.

Endlich fanden wir ein Dreibett-Zimmer, das frei und offen war. Das nahmen wir in Beschlag und dann wollten wir quasi als Ausklang noch ein paar Spässchen treiben. Neben uns war zufälligerweise eine englische Band, die „Mick Clarke Band" einquartiert, die auch am Openair gespielt hatte. Denen türmten wir vor der Zimmertür alle Möbel, die wir finden konnten, auf, und dann klopften wir an die Türe. Entgegen unserer Erwartung hatten die keine Freude an uns und drohten gar mit der Prügelstrafe. God shave the queen! Unser Zimmer sah seltsamerweise auch wie ein Schlachtfeld aus, was dem Hotelbesitzer am Morgen um Acht auf seiner Inspektionstour nicht verborgen blieb. Der wollte die Polizei rufen, aber wir haben ihn im Halbschlaf gehört und innerhalb von 15 Minute war das schlimmste aufgeräumt und versöhnlich und harmoniebedürftig wie wir sind, haben ihm ein grosszügiges Schadensgeld gegeben. Ich erinnere mich noch daran, dass auf der Rechung auch eine irgendwie abhanden gekommene WC-Bürste war. Vermutlich hatte T-Bone sein Zahnbürste vergessen und Ersatz gebraucht. Eine moderne Art Ablasshandel, sozusagen. Der Hotelier war dann beruhigt und konnte sogar wieder lachen. Als wir dann aber nach Chapella zurückkamen, um noch ein paar Biere in der Musikerbar zu nehmen, wussten alle auf dem Festivalgelände schon davon, einige gar mehr als wir selber. Das war dann Tagesgespräch und sogar Toni Vescoli, der ehemalige „Sauterelles", meinte, dass nicht mal sie in den Sechzigern so gewütet haben sollen. Na, wer’s glaubt! Dann waren die Typen halt einfallslose Pseudohippies und die ersten bekennenden Warmduscher der Neuzeit. Der Typ sang ja sowieso nur noch von „Pfäffli". Hmm, eigentlich könnte ich ihm mal den „Büablifigger" rüberreichen, der würde dann ja auch in sein Repertoire passen.

Leider, leider war die Band ja nur für den Südfrankreich-Trip zusammengestellt worden und Davida und Schmackofatz mussten wieder zu ihrer damaligen Band „Flapjack" zurückkehren. Wir Alleingelassenen mussten also wieder zwei neu Mitstreiter finden.

 

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