Der Skandal - Tyte Stone Buaba us Khur

Der Skandal - Der Skandal

Die Zeit war 1992 reif für eine neue CD, hatten wir doch viele Erlebnisse und Eindrücke zu verarbeiten. Klar hatten wir auch schon auf den Vorgängeralben ein paar freche Texte aufgelegt und speziell zu Sexthemen etc. ein paar saftige Verse abgeliefert. Aber diesmal erweiterten wir das Spektrum doch beträchtlich um ein paar Tabuthemen wie schwule Pfarrer, Inzest oder Selbstmörder.

So gingen wir also abermals ins Studio und nahmen den Silberling auf. Aus dieser epochalen Tyte Stone CD spielen wir noch heute „Büablifigger", „Dirty Harry, „Verschissni Wuucha" "Nonnen" und „Schörschl".

In diesem Jahr organisierten wir auch ein Bierfest in Chur, zu dem dann rund 1'500 Leute kamen. Nun, Bier wurde gesoffen und zwar nicht zu knapp. Der Polizeiposten, der sich gleich gegenüber befand, konnte davon ein Liedlein singen. Denn ein paar besoffene Fans haben denen den Eingang zugekotzt. Zu dieser Zeit entstand auch der schöne Brauch, an jedem Konzert eine Schubkarre zu spendieren. Es gab dann meist ein Wettsaufen und der stolze Sieger bekam eine Schubkarre oder ab und zu auch einen Gartenzwerg. Alles nützliche Dinge! Als wir den Anlass ein Jahr später wiederholen wollten, bekamen wir aus unerfindlichen Gründen keine Bewilligung mehr. Wir rätseln heute noch, warum.

Ende 92 hattee ich meinen letzten Auftritt, kurz bevor die CD raus kam. Um weiterspielen zu können sprang Dirty Harry in die Bresche und übernahm die Rhythmusgitarre. Ich selbst gründete mit Vögeli-Hitsch, Danili, Othmar und Tony eine neue Combo namens „Cheers!". Mit dieser Band nahmen wir in fünf Jahren fünf CDs auf und hatten grossen Erfolg. In etwa 100 Konzerte haben wir in dieser Zeit gegeben.

Jetzt wurde das ganze aber von etwas anderem überlagert, das uns auf die Schnelle schweizweit bekannt machen sollte. Da hatte doch so in Journalist aus Chur die Idee, uns wegen der neuen CD „S’warma Album" anzuzeigen. Hintergrund war ein erst kürzlich ins Strafgesetzbuch aufgenommener sogenannter „Pornoartikel". Im wesentlichen wollte man das Anstiften zu sexuellen Übergriffen und ähnliches strafbar machen. Der Journi, der auch für den dämlichen Blick schrieb, wollte sich profilieren und so brachte er uns mit Bild in den Blick und berichtete von den „Pornorockern aus Chur". Die Anzeige wurde natürlich abgewiesen, weil der Inhalt der CD in keiner Weise gegen diesen Artikel verstiess und bei Gila-Baby nach einer ärztlichen Visite klar wurde, dass der Schniedel viel zu kurz ist für solches Zeugs.

Der Effekt war nun, dass wir eine ungeheure Gratis-Publicity erhielten und die Band, als auch die neue CD, in aller Munde war! Für Tyte Stone bedeutete das über Jahre fette Gigs in der ganzen Schweiz und mehrere Tausend verkaufte CDs!

Als später Stämpf, der heute bei den QL spielt, Dirty Harry ersetze, konnte auch er nur staunen ob dem Bekanntheitsgrad! Spätestens jetzt war die Band Kult. In der Besetzung Gila-Baby, Stämpf, Voodoo und Schmackofatz wurde 1997 auch noch eine weitere CD aufgenommen, die „Bündnerfleisch" heisst. Das Cover zierten vier nackte Ärsche. Noch immer spielen wir aus dieser CD „Kuchimesser" und „s’Böötli".

1999 dann war die Luft für kurze Zeit draussen und Tyte Stone begingen eine Abschiedstournee. Man wollte das Projekt eigentlich endgültig begraben. Aber die Nachfrage nach der Kultband wollte nicht verebben, sodass man schon bald eine Reunion in Betracht ziehen musste.

Ich traf damals Gila-Baby zu einem gemütlichen Notalgieabend in Pfäffikon und wir sauften uns gepflegt einen an. Gila-Baby war mittlerweile von Graubünden nach Wollerau im Kanton Schwyz umgezogen und deshalb wollten wir uns wieder vermehrt treffen. Er hatte eine Stelle als Reinigungskraft in einem Erotiksalon gefunden. Dass dieser Beruf nur bedingtes Entwicklungspotential bietet, wurde ihm schnell klar. Das Resultat war, dass wir beschlossen wieder gemeinsame Sache zu machen und die Band wieder aufleben zu lassen.

Wir starteten sogar eine Art Doppelding. Einerseits erfüllten wir uns einen alten Traum und übten in der Formation „Quomania" nur Status Quo Covers ein. Zum ersten Mal spielen wir neben diversen Quo-Klassikern auch weniger bekannte Songs von Ihnen wie „Railroad" oder „Backwater". Einer unserer neuen Mitstreiter war T-Bone-Tom, der mittlerweile in Horgen im Kanton Zürich wohnte. Er war nach ein paar Jahren Abstinenz von der Musik nur zu willig, den Bass wieder umzuschnallen. Wenige Jahre zuvor hatte ich mit ihm zusammen auch ein Trio namens „Shy Guys", wo noch Louis-toujours am Schlagzeug mitspielte. Als neuen Drummer verpflichteten wir Danili aus Einsiedeln, mit dem ich seit „Cheers" in diversen Formationen gespielt hatte.

Parallel dazu übten wir aber auch ein Tyte Stone Repertoire ein, bestehend aus all den Tyte Stone Klassikern und diversen Hits aus den letzten vierzig Jahren. Während Quomania nicht so richtig zu Fliegen kam, wurden wir als Tyte Stone wieder mehr oder weniger gefeiert. So gab es dann einen sanften Übergang zu Tyte Stone ohne Quomania. In dieser Zeit gingen wir auch zweimal ins Studio. Zum einen, um für einen Sampler einen Song beizusteuern. Wir wählten „Anita" von Cordalis und änderten das Arrangement so, dass er nach Status Quo tönte und ergänzten den Song um einen vernünftigeren Text und ein geiles Solo. Zum anderen nahmen wir fünf Quo-Songs auf: „Litte lady", „Backwater", "Rain", "Paper plane" und „Whatever you want". Damit wir einen Teil dieses Vorratsmaterials verwenden konnten, und auch weil die CDs „S’warma Album", „Im Jahre des Schafes" und „Bündnerfleisch" zur Neige gingen, entschlossen wir uns anstelle von Nachpressungen für eine „Best of" Scheibe. So hatten wir wieder einen aktuellen Aufhänger und Werbeträger. Von dieser CD verkauften wir schnell einmal die ersten Tausend Stück, was in der heutigen Downloadzeit eigentlich beachtlich ist. Bald musste eine zweite Auflage gepresst werden.

So spielten wir dann wieder in der halben Schweiz, vom Wallis bis an den Bodensee. Einige Orte haben es uns immer speziell angetan, so zum Beispiel das Muotathal, das Ybrig oder natürlich die alte Heimat Chur.

Ein spezielles Erlebnis war ein Gig in Schwyz. Da kam ein Besoffener auf die Bühne und führte nackt mit einem Teppich einen seltsamen Fruchtbarkeitstanz auf. Irgendwann verlor er das letzte Quentchen Schamgefühl und Sebstbestimmung und machte auf der Bühne das Böcklein. Jedem, der es sehen wollte, oder auch nicht, steckte er seine Muffe entgegen. Mann, wir konnten kaum noch singen, und lachten Tränen ab der Gestalt.

Das alles klappte zwei, drei Jahre ganz gut, aber Danili und T-Bone stiegen dann wieder aus. Die Groupies waren ihnen einfach zu anstrengend und Gila-Babys äusserst würzige, im Abgang süsslichen Bierfürze gaben ihnen den Rest. Das war der Anlass auf einen anderen alten Mitstreiter zurückzugreifen, der mit uns schon zu Südfrankreichzeiten dabei war: Davida! Nicht nur war er ein geiler Bassist, nein er sang auch einen Teil des Repertoires, was Gila-Baby und mich entlastete. Ans Drum kam einmal mehr Schmackofatz zurück, der jetzt ebenfalls im Kanton Zürich wohnte und damit näher bei uns im Kanton Schwyz war.

Kein Jahr verging, als es uns alle zu jucken begann: Eine neue Scheibe musste aufgenommen werden! So viele sozialkritische Themen waren noch nicht besungen!

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