Heute - Tyte Stone Buaba us Khur

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Es hatte sich etwas aufgestaut! Wir wollten unbedingt wieder so eine geile Scheibe produzieren, mit eigenen Songs und süffigen Texten. Die ersten Tausend CDs gingen dann auch ziemlich bald über den Ladentisch und es konnte bald eine zweite Auflage gepresst werden.

Und siehe da, es wirkte. Die Band hatte wieder Erfolge wie damals in den besten Zeiten! Was Motivation und neue Song so alles ausmachen können! Erstmals schrieb auch Davida Songs für die neue CD, und siehe da, er hatte verdammt gutes Material geliefert! Das war eine willkommene Bereicherung. Schwerpunktmässig texteten wir zu den bewährten Themen Pfarrer, Tunten und Sex, aber auch relativ Neues wie das Saufkotzen oder Randgruppen wie schwule Pöstler sollten bedacht und nicht zuletzt gewürdigt werden.

Bühnenklassiker aus dieser CD wurden gleich ein paar Titel, so beispielsweise „I weiss, i weiss", „Dr Pöschtlr", „Sex mol in dr Nacht", „Schmusa isch nid dabi", „Bangkok Bock" oder „Liabasschmerz".

2006 gaben wir abermals eine Scheibe mit vergriffenem Material aus den vorangegangenen CDs raus: „Fürz, Schwaiss und Biar". Die Scheibe enthält auch uralte Liveaufnahmen aus früheren Tagen. Damit ist eigentlich der grösste Teil der alten CDs neu aufgelegt und erfreut das Herz von neuen Tyte Stone Fans, die damals noch nicht dabei waren. Zu den neu veröffentlichten Titel kann folgendes gesagt werden: Im „Tyte Stone Interview" kann man hören, wie wir damals Interviews gegeben haben. Vom „Tyte Stone Rock n Roll" haben wir gar eine Urversion aus Südfrankreich gefunden, die wollte wir Euch nicht vorenthalten. „Bloody", „The shaker", „Huston Bay" und "Oh volute” sind Live-Aufnahmen aus dem Jahre 1982. Der „Tyte Stone Bluus" ist tatsächlich die früher erwähnte Live-Version von dem Gig in Solothurn im Jahre 1982.

Schmackofatz gab den Austritt. Also verpflichteten wir von nun an Julius, der sich schnell in die Band einfühlte, obwohl er ein ärztlich verordnetes Boratkostüm-Trage-Verbot befolgen muss. Schweren Herzens befolgt er diese Anordnung, denn die Gesundheit ist nun mal das Wichtigste.Nun gingen wir ins Studio und nahmen die neue Scheibe namens „Murmalifigger" auf. Im aktuellen Bühnenprogramm spielen wir daraus „Darmschpiagalig", „Üsa Rosche", „Pater Noschtr", „Detlev", „Im Puff", „Im Suff" und „Mini Fründin".

Zu den einzelnen Songs kann folgendes zu Protokoll gegeben werden: Bei „Darmschpiagalig" geht es um ein kleines Malheur bei einer Auspuffinspektion. Der Schlauch platzt und der Arzt bekommt auf diese Weise ein paar Sommersprossen. In „Pädo-Maikl" träumt einer davon, dass er als Kind bei „Maikl" zu Besuch ist und von dem „Kinderliebhaber" beinahe vernascht wird. Zufällige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht einmal ganz ausgeschlossen! „Detlev" andererseits ist ein Junge, der krampfhaft ein sexuelles Abenteuer sucht und für einmal fast findet. Da ist „Cowboys im Schnee" schon etwas subtiler. Auf raffinierte Art und Weise werden da zwei Grundmuster gemischt: Das von den schwulen Cowboys von „Brokeback Mountain" und die altbekannte Geschichte der zehn Negerlein. Gekonnt wird in diesem Titel zum Ausdruck gebracht, dass auch Cowboys Gefühle, Blutstauungen und ab und zu Beschaffungsstress haben. Ähnliches wird in „dr schwuli Matros" verarbeitet. Es stellt sich einmal mehr die philosophische Gretchenfrage, warum Homos ausgerechnet Heteros anmachen müssen.

„Rosche" ist ein Thema, das bisher bei Tyte Stone zu Unrecht ein Mauerblümchendasein im Repertoire fristete. Es geht im wesentliche um einen Flitzer und Exhibitionisten, der erwischt wird. In „Zwergaknalla" verarbeitet Davida ein Jugendtrauma, weil ein Onkel von ihm den Garten voller Zwerge hatte und er als Bub immer die völlig sinnlosen Figuren reinigen musste. „Morgalatta" erzählt eine Geschichte aus einem Alterheim, wo viel mehr läuft, als man landläufig annehmen würde. „Im Puff" handelt von einem Etablissement, wo man sich trifft und immer zuwenig Frauen vorrätig sind. Natürlich werden die Männer dort schändlich ausgenutzt. In „Pater Noschtr" frönt Shy-Boy seinem Lieblingsthema, der verlogenen und von Homoerotik prickelnden Welt der Kleriker. Da wird von Bubenstreichen aus St. Pölten und von spritzigen Parties unter Priestern erzählt. Ein für jeden Mann schreckliches Trauma wird in „Im Suff" besungen. Gila-Babys autobiografisches Lied handelt von der Erkenntnis, die man am Tag nach einem Suff hat, wenn man aufwacht und nicht alleine ist. Ja, Wahrheit kann schmerzen! Davida hat es nicht leicht in „Mini Fründin", muss er doch feststellen, dass seine Flamme zum anderen Ufer tendiert. „Oh Domina" wurde aus Textteilen zusammengestellt, die man gerne und oft in Beichtstühlen zu hören bekommt. Ein Zückerchen ist auch der „Erbschleicher": Da wird die schmerzhafte Geschichte von einem armen Teufel (Vester) erzählt, der sich des Geldes wegen von einer 90-jährigen ausnützen lässt. „Wänn zügla muasch" ist ein düsteres Lied aus Gila-Babys Feder, das der Vatikan sicher bald auf den Index setzt.

Gut möglich, dass wir mit dieser CD endlich die schon lange verdienten Kulturpreise in halb Europa abräumen. Verdient hätten wir es bestimmt.

Anlässlich des runden Geburtstags entschloss man sich 2013 eine neue CD herauszugeben, um die Hitparaden zu stürmen und endlich einmal einen Kulturpreis zu gewinnen. Nach der 33-jährigen Durststrecke wäre es den reifer gewordenen Jungs auch zu gönnen. Leider schafften es die Buben einmal mehr nicht gender- und Radio-kompatible Lieder zu schreiben. Die Titel wie „Darmschpiagalig", „Im Puff" oder „Flitzer" verraten auch dem unkundigen Leser schnell einmal, auf welcher intellektuellen Ebene die 11 Songs schweben. Man darf getrost annehmen, dass diese CD nicht an Weihnachten im trauten Familienkreis gespielt wird. Nach absolvierter Frühlingstournee durch den Nahen Osten und einem Gast-Auftritt an einem Open-Air in Südlappland spielten sie ab Mai wieder in heimatlichen Gefilden. Besorgten Müttern wird aber dennoch nicht davon abgeraten ihre Kinder an das Konzert zu schicken, denn die Tyte Stone Buben können es auf den Tod nicht ausstehen, wenn an ihren seriösen Auftritten Alkohol getrunken wird oder gar die aus dem Leben gegriffenen Songthemen in’s Lächerliche gezogen werden. Deshalb wird immer durch ein paar ausgebildete Fengshui-Kämpfer für Ruhe und Ordnung gesorgt.

Jetzt habt ihr endlich die wahre Geschichte der Tyte Stone Buaba gelesen. Einige mögen nun enttäuscht sein, dass wir solche Langweiler sind. Nun, damit müssen wir leben.

Figga!